Pressemitteilung vom 11.06.2026
Bericht zur Veranstaltung
Rund 40 Teilnehmer kamen am Donnerstag, 11. Juni 2026, zur Gesprächsrunde „THTR Hamm: Wie geht es weiter?“ bei FUgE, Oststraße 12. Sie wurden von Horst Blume (BI Umweltschutz Hamm), Hubertus Zdebel (Atompolitischer Sprecher der Partei Die Linke in NRW) und Felix Ruwe (Sprecher der Bürgerinitiative Kein Atommüll nach Ahaus) über die Folgen der Insolvenz der Hochtemperatur-Kraftwerk GmbH (HKG) für Hamm, Ahaus und NRW informiert.
Nach der Einführung von Horst Blume in die Geschichte des Thorium-Hochtemperatur-Reaktors (THTR) in Hamm klärte Hubertus Zdebel auf, dass auf die Steuerzahler*innen ca. 1,5 Mrd. Euro Kosten für den Rückbau des Reaktors zukommen. Ob der Bund oder das Land NRW zahlen müsse, würde wohl letztlich das Bundesverwaltungsgericht entscheiden müssen.
Kurz nach Stilllegung des THTR hätten – so Zdebel – die Bundesregierung und die NRW Landesregierung mit der HKG GmbH und ihren Gesellschaftern (RWE, E-on und einige Stadtwerke) 1989 einen Rahmenvertrag zur geordneten Restabwicklung des Projektes THTR und in den Folgejahren Ergänzungsvereinbarungen abgeschlossen, bei denen die Risiken für den THTR letztlich bei der öffentlichen Hand verblieben. So wurde darin lediglich die Kostenaufteilung der Finanzierung des sicheren Einschlusses und der jetzigen Abklingphase von 30 Jahren geklärt. Insbesondere die Frage, wer die Finanzierung des Rückbaus bezahlt, sei bewusst und vorsätzlich offengelassen worden.
Vor diesem Hintergrund sei der jetzt erfolgte Konkurs der HKG GmbH schon 1989 klar vorprogrammiert gewesen. Genauso wie die Tatsache, dass die HKG-Gesellschafter RWE, E-On und einige Stadtwerke nicht weiter zur Verantwortung gezogen werden können. Denn es gebe auch keine Durchgriffshaftung, mit der z.B. RWE und E.on mit ihren satten Bilanzgewinnen zu Zahlungen verpflichtet werden könnten. Das sei auch allen Beteiligten schon 1989 klar und bewusst gewesen, so Zdebel.
Da die oben genannten Verträge nicht öffentlich seien, ließe sich das erst jetzt aus der Urteilsbegründung des OLG Düsseldorf von 2025 zum Prozess, den die HKG gegen Bund und Land angestrengt hatte, zumindest teilweise für die Öffentlichkeit nachvollziehen.
Die zuständige NRW-Ministerin für die Atomaufsicht (Mona Neubaur) habe in der Antwort vom November 2025 auf die Nachfrage der BI Ahaus nicht die Wahrheit erzählt, indem sie behauptete, dass alles gut geregelt sei, so Felix Ruwe. Er wies darauf hin, dass Mona Neubaur zum 1. 4. 2026 die SPIE SAT GmbH gegründet habe, die für die Reaktorruine verantwortlich sei. Das sei nötig gewesen, um eine Versicherung abschließen zu können.
Die gesetzliche Verpflichtung der HKG für den Rückbau des Reaktors und die ordnungsmäßige Handhabung der Brennelemente-Kugeln, die im Zwischenlager Ahaus BZA gelagert werden sollen, könne nun nicht mehr durchgesetzt werden. Die ersten der in Ahaus zwischengelagerten THTR-CASTOREN verlören bereits 2032 ihre Zulassung. Die Gesellschaft für Zwischenlagerung BGZ habe nun die Verantwortung, mache aber keinerlei Anstalten, um die weitere Sicherheit der CASTOREN technisch und wissenschaftlich begründet genehmigen zu lassen.
Im weiteren Verlauf zeichnete Felix Ruwe die Probleme für Ahaus auf: die Brennelemente des Forschungsreaktors München II aus Garching, hoch angereicherte Brennelemente aus Berlin, die zurzeit laufenden Castortransporte von Jülich nach Ahaus, die Problematik der ungeklärten Zwischenlagerung, die Unsicherheiten der Endlagersuche und der mögliche Bau neuer SMR (Small Modular Reaktoren).
Es war eine spannende Veranstaltung mit einem interessierten Publikum, das engagiert mitdiskutierte. Die Veranstaltung soll nächstes Jahr fortgesetzt werden.